Untersuchungen zur Fauna

Bei der Begutachtung von Lebensräumen hinsichtlich ihrer ökologischen Wertigkeit kommt verschiedenen Tiergruppen eine aufschlussreiche Bedeutung als sogenannten Bioindikatoren zu. Ihr Vorhandensein bzw. Fehlen signalisiert, ob die Lebensbedingungen für die untersuchten Artgruppen noch intakt, oder durch das Einwirken des Menschen bereits stark geschädigt sind. Bei den durch die Biologische Station durchgeführten Lebensraumuntersuchungen werden u.a. folgende Tiergruppen erfasst:

   

Vögel

Diese Tiergruppe wird je nach Untersuchungsziel unterschiedlich detailliert untersucht:

  • Artenliste:

  • Bei der Erstellung einer Artenliste für ein Gebiet wird dieses mehrfach aufgesucht. Die vorhandenen Vögel werden optisch per Fernglas, oder akustisch durch "Verhören" erfasst. Für eine Artenliste werden in der Regel keine Häufigkeitsangaben gemacht.

  • Brutvogelkartierung:

  • Für eine Brutvogelkartierung wird optisch oder akustisch das revieranzeigende Verhalten an mehreren Tagen während der Brutsaison beobachtet. Danach werden die Reviere der Vögel kartografisch erfasst. Bei manchen Arten wird zudem kontrolliert, ob die Brut erfolgreich war, d.h., ob die Vögel ihre Jungtiere großziehen konnten.

  • Kartierung rastender und durchziehender Vögel

  • Einige Gebiete sind nicht in erster Linie als Brutgebiet von Bedeutung, sondern als Nahrungshabitat während des Frühjahrs- und Herbstdurchzuges. Im Kreis Recklinghausen ist dies zum Beispiel innerhalb des Naturschutzgebietes Lippeaue der Fall. Bei der Erfassung der Rastvögel wird die Lippe in viele Teilabschnitte unterteilt, um dann während der Wintermonate die Zahl der rastenden Vögel, nach Arten unterschieden, festzuhalten. Auf diese Weise werden die besonders wertvollen Abschnitte des Flusses deutlich.

Photo: Brachvogel
Großer Brachvogel  

Makrozoobenthos

Die Qualität eines Gewässers zeigt sich zum einen an seiner Struktur (Gewässerverlauf, Uferbewuchs, Sohlsubstrat etc.) und Hydrochemie, zum anderen aber auch an der darin vorhandenen Tierwelt. Als Makrozoobenthos werden die mit bloßem Auge sichtbaren Tiergruppen innerhalb des Gewässers bezeichnet.
Die Untersuchungen des Makrozoobenthos sind in der Regel sehr zeitaufwendig, da die Bestimmung der Tiere mit Hilfe eines Binokulars erfolgen muß. Aus diesem Grund wird häufig lediglich die Ordnung (z.B. Steinfliegen) kartiert und auf die Artbestimmung verzichtet. Je nach Untersuchungsziel können jedoch auch umfangreichere Untersuchungen vorgenommen werden.
Markrozoobenthos-Untersuchungen kommen im Rahmen unserer Tätigkeiten in erster Linie bei der Erfassung und Bewertung von Quellbiotopen zum Tragen.



Photo: Köcherfliegenlarven
Köcherfliegenlarven  

Heuschrecken

Die einzelnen Heuschreckenarten stellen sehr unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum. Aus diesem Grund sind sie insbesondere in Offenlandbiotopen (Grünland, Heiden, Magerrasen) ein wichtiger Indikator für die Intaktheit eines Gebietes. Da sie nicht so mobil sind wie z.B. Vögel und die hochspezialisierten Arten Jahr für Jahr an den gleichen Orten leben, ist ihr Verschwinden oder auch ihre Zunahme ein sicherer Hinweis für veränderte Umweltbedingungen.

 

Wildbienen

Wildbienen sind hervorragende Indikatoren für Lebensräume, die durch das Material Sand geprägt sind (Binnendünen, Sandabgrabungen etc.). Aufgrund ihrer Artenvielfalt und Spezialisierung lassen sich Aussagen zur Biotopqualität sowie zu Schutz- und Pflegemaßnahmen machen.




Photo: Scherenbiene
Scherenbiene  

Libellen

Libellen leben an und in Gewässern. Die meist farbenprächtigen Libellen können von April bis zu den ersten Frösten im Herbst an Seen und Teichen, in Mooren, an Bächen und Flüssen, aber auch weit ab von Gewässern angetroffen werden. Wie man an ihren sechs Beinen unschwer erkennen kann, gehören die Libellen zu der großen Gruppe der Insekten. Sie sind hervorragende Flieger und können daher leicht kleinere Fluginsekten zu ihrer Ernährung fangen. Zur Fortpflanzung kehren die einzelnen Arten an die Gewässer zurück. Mit etwas Geduld kann man die Paarungsräder der Libellen und die Eiablage beobachten. Aus den abgelegten Eiern entwickeln sich Larven, die bis zu mehreren Jahren in den Gewässern leben. Dort leben sie als Räuber und ernähren sich von anderen Wassertieren. Wenn sie zum Schlupf bereit sind, verlassen die Larven das Wasser. Hat eine Larve Land erreicht oder ist auf Pflanzen geklettert, die aus dem Wasser herausragen, platzt ihre Haut auf und die voll entwickelte Libelle schlüpft heraus. In diesem Moment sind Libellen sehr verletzlich, da ihr frisch geschlüpfter Körper erst noch an der Luft aushärten muss. Die Arten sind teilweise sehr spezialisiert und vermehren sich nur an Gewässern, die eine bestimmte Lebensraumausstattung aufweisen. Durch den Nachweis der Entwicklung der unterschiedlichen Arten an einem Gewässer kann ein Fachmann Rückschlüsse auf die Qualität des Gewässers ziehen. In Nordrhein-Westfalen gibt es 72 verschiedene Libellenarten. Leider gelten die Bestände von zwei Dritteln der Arten als gefährdet. Als Hauptursache kann hier die Lebensraumveränderung und -zerstörung genannt werden.


Amphibien

Amphibien werden von der Biologischen Station in erster Linie im Rahmen von Kleingewässeruntersuchungen kartiert. Menge und Artenzusammensetzung geben Aufschluß über die ökologische Bedeutung des betrachteten Gewässers.

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